Erzählungen von El Pe Junior – Der Jules Verne des Forums, der Karl May des kleinen Mannes
Sollten sich zufällig Parallelen zu real existierenden Personen, Orten oder Ereignissen ergeben, dann ist das reine Fiktion und absolut nicht beabsichtigt.
Satire darf in Geschichten wie dieser hier sicher Platz haben, aber Beleidigungen und Respektlosigkeiten gehören nicht hierher. Weder hier noch sonstwo!! Wir wollen Unterhalten – und nicht Spalten!!!! Nichts!! Niemanden!!
Geschichten aus 1001 Puff
Heute: Schwere Kost - Der Zeitgeist «Alles» und «Nichts»
Die dunkle Zeit hatte vieles zum Erliegen gebracht. Damals waren in fast allen dieser Ländern Ferien untersagt, ja, man konnte sie nicht mal mehr betreten. Der Drosten und viele Andere hatten ihr Unwesen getrieben, und die Obrigkeitshörigen waren noch bis lange nach dieser Zeit verängstigt. Eine zutiefst gespaltene Bevölkerung suchte langsam wieder den Weg in ihr gewohntes Leben, wie es vor der dunklen Zeit war. Sie wollten nichts anderes als wieder ihre sehnsüchtig vermisste Normalität. Die Angst aber ist ein mächtiges Schwert, und wenn es einmal zugeschlagen hat, dann können vielleicht die Wunden irgendwann verheilen, aber die Narben werden ein Leben Lang sichtbar bleiben. Und der Keil, der aus einer Gesellschaft zwei verfeindete Lager gemacht hatte, bleibt in vielen Gedanken und Erinnerungen stecken. Er schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen. Die Jahrhunderte alte Philosophie von Spaltung als Instrument des Beherrschens «divide et impera» hatte eben erst eine Renaissance erlebt. Und viele neue Götter machten sich diese jetzt auch zu eigen. Und es funktionierte Bestens. Es hielt als probates Mittel Einzug in andere Lebensbereiche, wurde in weiten Teilen der Gesellschaft langsam salonfähig, besonders, wenn es subtil eingesetzt wurde. Die Leute liessen sich herrlich manipulieren, und somit steuern und instrumentalisieren. Man musste ihnen nur oft genug sagen, dass sie auf der richtigen Seite ständen.
Das gibt gerade ein schönes Beispiel zur Veranschaulichung des herrschenden Zeitgeistes:
Wie heisst es jetzt richtig; stünden oder ständen?
Früher hätte man über solche Fragen sachlich gesprochen, wäre mit klaren und vernünftigen Argumenten in eine Diskussion gestiegen, hätte sich ruhig die andere Meinung angehört, und zum Schluss eine beidseitig akzeptierte, tragbare Lösung gefunden. Danach wäre die Sache erledigt gewesen, und man hätte sich wieder den anderen, wohl wichtigeren Dingen zugewandt. (oder heisst es «zugewendet»..)? 😉)
Heute war man so weit gesunken, dass sich aus einer solchen banalen Frage heraus zwei Lager gebildet hätten, man das ganze hochstilisiert hätte, die Medien permanent etwas Benzin ins Feuer gegossen hätten, und man sich mit Schlagwörtern wie «Individualität, Buntheit, Selbstbestimmung», als Rechtfertigung und Legitimation des eigenen – zweifellos einzig wahren und richtigen – Standpunktes, selber die Legitimation erteilt hätte. Somit sind die anderen per Definition ja im Unrecht, man braucht ihnen nicht mal mehr zuzuhören, und selbst offensichtliche und fundierteste Argumente der «Anderen» lösen sich nicht in Wohlgefallen, sondern einfach in Luft auf.
Es gibt für die Führungskaste nur zwei erprobte und funktionierende Wege, eine Gesellschaft zu «Führen». Die eine ist eine absolute Herrschaft im diktatorischen Sinne. Die andere ist eine perfide Mischung zwischen Homogenisierung und Individualität. Die Bequemlichkeit, die Kurzsichtigkeit und der Egoismus des Individuums werden dabei eiskalt einkalkuliert. Der Staat propagiert die Individuelle Entfaltung des Einzelnen – bis hin zur Wahl des eigenen Geschlechts. Wohlwissend, dass die Menschen darauf reagieren, und sich mit solchen Dingen bis zur Ekstase oder zur Erschöpfung beschäftigen. Im Schatten dieser vermeintlichen Freiheit werden hinterrücks die Rechte Schritt für Schritt beschnitten, um eine Uniformität herbeizuführen. Ist diese Gleichschaltung erst mal weit genug fortgeschritten, gibt es kein zurück mehr. Irgendwann bleibt einzig noch die Anarchie und die Gewalt, um sich diese Individualität und Freiheit wieder zu beschaffen.
Gib dem Volk Brot und Spiele, dann lässt es sich bereitwillig auf die Schlachtbank führen. Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Selber Denken ist anstrengend und weitgehend unbeliebt geworden, weil man für eine Entscheidung, die man selber getroffen hat, auch selber geradestehen muss. Wenn einem jemand diese Entscheidung abnimmt, fällt diese Last von einem ab. Schöne neue einfache Welt! Professionalisierte Augenwischerei und ein gutes Marketing – mehr braucht es nicht. Das lästige Denken wird von anderen übernommen, der ach so moderne Mensch ist dümmer als je zuvor in seiner Geschichte. Wir haben in 15000 Jahren eigentlich nicht sehr viel gelernt. Anstand, Vernunft, Selbstreflektion und Selbstkritik, Selbstwahrnehmung vs. Fremdwahrnehmung, Toleranz in einem gesunden Mass und Sinn, Eigenverantwortung und gesunder Menschenverstand sind aussterbende Spezies. (Ja, der Plural von Spezies ist tatsächlich Spezies!)
Was hat dieser Exkurs mit unseren Geschichten zu tun? Alles und Nichts
Zitat aus dem Film «Königreich der Himmel»: Balian von Ibelin: Was ist Jerusalem wert? Saladin: Nichts! Saladin: Alles!
Es ist mir klar, dass das hier von mir beschriebene keine leichte Kost ist. Es hat auf den ersten Blick auch ganz sicher nichts mit «1001 Geschichte aus dem Puff» zu tun. Aber im Kontext ist es wichtig, um Dinge einzuordnen, unter dem Gesichtspunkt, wie Menschen heutzutage aufeinander reagieren. Auf andere Meinungen, ein anderer Blickwinkel, auf Verhalten oder Vorlieben von anderen. Und vor allem: auf das subtile manipuliert werden, und das vermeintliche «sich im Recht fühlen». Medien, Influenzer, Ideologie, Propaganda, Einflussname, Steuerung, die Angst, mit seiner Meinung allein dazustehen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, weil man eine nichtkonforme Anschauung hat, das sind die grossen Herausforderungen, denen sich jeder stellen muss. Oder er geht den einfacheren Weg, überlässt das Denken und Entscheiden denen, die es ja «besser wissen als ich». Wieso sollte ich etwas selber tun, wenn es doch andere für mich noch so gerne übernehmen. Was unterscheidet – nebst der Fähigkeit, Feuer entfachen zu können – den Menschen vom Tier? Kein Rudel Tiere würde das Hinterhältigste oder das Dümmste aus seinen eigenen Reihen freiwillig zum Anführer machen!
Zitat von Albert Einstein:
Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit , und beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. Als ich jung war, habe ich herausgefunden, dass der große Zeh immer ein Loch in eine Socke macht.
Um den Bogen zu den seichten Geschichten aus dem Puff zu schlagen: der eine liebt Publicsex, der andere hasst es. Der eine liebt das Land Schleuss, ein anderer Neubad, und der dritte Globiland. Einer findet Drogni sympathisch, ein anderer wiederum Zaffrim. Die einen lieben die eine Sirene, die anderen halt eine andere. Foren, Tagebücher und Plattformen. 1000 Beispiele. Das schöne daran: jeder Topf findet seinen Deckel. Für jeden ist etwas Passendes da. Sollten wir das ganze nicht vielleicht mit etwas mehr Kulanz betrachten, dem Anderen seine Meinung lassen, uns darüber freuen, dass er etwas für ihn Passendes gefunden hat, statt uns darüber zu streiten, ob Silikon und Botox gefallen oder nicht? Haben wir wirklich nichts aus der Geschichte gelernt?
Keiner will dem anderen zuhören, jeder hat Angst, dass ihn der andere «Bekehren» will. Die Angst davor, manipuliert zu werden, wird somit auf eine eigentümliche Weise zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Ironie der Sache: Man lässt sich von einer Seite unbewusst manipulieren, zementiert sich in einem Gefüge von Gleichgesinnten seine Meinung, und unterliegt dabei eben dieser Angst, einer aus «dem anderen Lager» könnte versuchen, einem zu Beeinflussen. Ein wenig Schizophren, sehr bedenklich, irgendwie gefährlich, aber – nur allzu menschlich. Der dunklen Zeit sei`s gedankt. Wir sind doch alle froh, dass diese Zeit vorüber ist – wäre das nicht ein Lichtblick?